PortableApps

PortableApps LogoHin und wieder, zu meiner Freude nicht allzu selten, passiert es, dass ich von Produkten begeistert bin. So geschehen beim Entdecken von PortableApps vor einigen Jahren. Wer es nicht kennt: PortableApps.com bietet eine Sammlung von Programmen an (für Windows), die sich von einem USB-Stick starten lassen, dazu eine Art Startmenü, mit der man den Speicherdäumling in seinen persönlichen IT-Werkzeugkasten verwandeln kann. Ganz besonders mag ich daran die Auswahl an Programmen, bei denen es sich zum Großteil um nützliche Open-Source-Anwendungen handelt, von denen man oft nicht wusste, dass es sie gibt.

Da ich nicht gerne Programme auf meinem Rechner installiere, wenn es nicht sein muss, benutze ich auf meinem Computer ebenfalls die portablen Versionen vieler Programme. Diese liegen dann in einem Portable-Ordner auf der Festplatte, den ich bei Bedarf einfach auf einen USB-Stick kopieren kann, zum Beispiel wenn ich mein Windows neu aufsetze. Die Tatsache, dass man die Dateien nach Belieben umher kopieren kann, eröffnet interessante Möglichkeiten:

Wem USB-Sticks zu sperrig sind, könnte sich für eine SD-Karte entscheiden, die man in der Geldbörse mit sich herum trägt.

Wer der Meinung ist, USB-Sticks seien „völlig 2010“, der kann den Inhalt des USB-Sticks in einen Online-Speicher wie Dropbox, OneDrive oder ähnliches Verschieben, um ihn dann zum Beispiel auf seinen Arbeitsrechner zu Synchronisieren.

Gerade CAD-Profis, die in verschiedenen Firmen auf deren leistungsfähigen Rechnern arbeiten, können so ihren Werkzeugkasten auf dem USB-Speicher mitbringen, so die örtliche IT-Abteilung es nicht verbietet.

Ubuntu-Feldtest

Ich kam vor kurzem in die Verlegenheit, den Windows-Laptop einer Freundin platt zu machen und nebenbei die bereit liegende SSD ein zu bauen. SSDs sind ungleich schneller, mechanisch robuster, leiser und energiesparender als herkömmliche Festplatten, und daher fast uneingeschränkt zu empfehlen.

Eine einfache Systemwiederherstellung  auf Windows 7 mit den Original-DVDs des Herstellers fiel leider flach, weil die DVDs nicht zu finden waren. Die Freundin war mit Windows 7 recht zufrieden und kannte sich damit aus. Der Umstieg auf Windows 10 wurde nach einer kurzen Kostprobe angewiedert ausgeschlossen. Leider lässt sich Windows 7 nicht ohne weiteres herunterladen, wenn man nur über eine OEM-Lizenz verfügt.

Die Softwareanforderungen der Freundin waren nicht sehr speziell, neben dem Browser wurde MS Office und Skype genutzt, vor allem aber sollte das System robust, schnell und nicht anfällig gegen Viren sein.

Zuletzt genanntes brachte mich zu Ubuntu-Linux, dessen Benutzung man auch nicht-Geeks zumuten kann. Dank der großen Nutzerbasis findet man viel Hilfe im Internet, was gerade bei Linux-Einsteigern sinnvoll ist. Wie sich herausstellen sollte, kann man tatsächlich MS Office 2010 und Skype mit einigen Kniffen zum laufen bringen.

Ubuntu installieren

Die aktuelle Version von Ubuntu kann man hier als iso-Datei herunterladen (bei mir war es 14.04 LTS). Das brennen einer DVD ist unnötig, mit dem kleinen Programm Rufus (hier als Portable Version) kann man einen USB-Stick verwenden, um mit dem Ubuntu-iso zu booten (USB-Boot muss im Bios aktiviert sein). In meinem Falle funktionierte nach der Installation auf dem ThinkPad T420 sämtliche Hardware, selbst das zwei-Finger-Scrollen auf dem Touchpad.

MS Office installieren

In meinem Fall hatte ich die Original-DVDs von Office 2010 inklusive Lizenzschlüssel zur Verfügung. Modernere Versionen von Office werden wohl nicht unterstützt. Dieses Video erklärt das Vorgehen:

Was nach der Installation noch fehlt, ist die Dateiverknüpfung, so dass beim Doppelklick auf eine docx-Datei auch tatsächlich Word geöffnet wird, und nicht das vorinstallierte Libre-Office. Dafür klickt man mit rechts auf die entsprechende Datei, wählt Eigenschaften und dann den Reiter Öffnen mit… . Dort kann man Word als Standardprogramm festlegen (auswählen und Als Standard definieren). Genau so geht man für Excel- und PowerPoint-Dateien vor.

Skype installieren

Ich bin dieser Anleitung auf ubuntuhandbook.org gefolgt und war erfolgreich. Kamera und Mikrofon funktionierten auf Anhieb.

Netflix

Die letzte Anforderung war für den Freizeitgebrauch: der Film- und Serienstreamdienst Netflix funktioniert mit Microsofts Silverlight und damit nicht in der Linuxversion vom Firefox-Browser. Wie sich herausstellte, genügt es, bei der aktuellen Ubuntu-Version Googles Browser Chrome zu installieren, damit Netflix läuft.

Einschränkungen

  • Das Öffnen von Office-Dateien auf Netzwerklaufwerken muss vom jeweiligen Programm aus erfolgen. Das Öffnen mit einem Doppelklick im Datei-Explorer öffnet in diesem Fall nur ein leeres Dokument.
  • Das Batteriemagement von Ubuntu kann soweit ich weiß den Prozessor nicht heruntertakten, so das die Akkulaufzeit kürzer als unter Windows ausfallen dürfte.
  • Bei Zugriff auf einen Dateiserver (hier: Synology) wird der Server mehrfach identisch in der Netzwerkumgebung angezeigt. Wichtig ist, hier den Richtigen zu finden (SMB), da es sonst zu Problemen mit der Schreibberechtigung und der Übertragungsgeschwindigkeit kommt.

Fazit

Die Freundin zeigt sich bisher zufrieden mit Ubuntu, vor allem der Geschwindigkeit und Einfachheit wegen. Weiteres wird der Arbeitsalltag zeigen…

Passwörter

Vorweg zwei unangenehme Fakten zu Passwörtern:

Passwörter, die leicht zu merken sind, sind auch leicht zu knacken.

Praktisch alle Methoden, die das menschliche Gehirn verwendet, um sich Passwörter besser merken zu können, können Computer nachbilden und durch automatisiertes Ausprobieren knacken.

Die Benutzung eines Passwortes für mehrere Dienste ist eine schlechte Idee.

Ist das Passwort noch so kompliziert, wenn man das gleiche Passwort für verschiedene Dienste verwendet, und einer dieser Dienste gehackt wird, steht das Tor zu den anderen Diensten offen.

Zu dem Thema gibt es viel zu erzählen, ein guter Einstieg ist dieses Video von Alexander Lehmann:

Wer tiefer in die Materie einsteigen will, dem sei diese Episode von Chaosradio empfohlen.

XKCD - password strength
Lange Passworte sind sicher klar im Vorteil, allerdings könnte dieses mit Hilfe von eines Wörterbuches weit schneller erraten werden, weil dann nicht alle einzelnen Buchstabenkombinationen ausprobiert werden müssen.

Allerdings: Auch mit der von Alexander Lehmann beschriebenen Methode kann ich mir nicht alle Passwörter merken, die ich so brauche. Gerade wenn man beruflich mit Computern zu tun hat, steigt die Zahl der Accounts bei verschiedenen Diensten und Systemen rapide an. Um dem Problem Herr zu werden, könnte man sich ein Notizbüchlein zulegen (aus Papier!), in dem alle Passwörter aufgeschrieben werden. Das ist zwar sehr sicher, aber nicht besonders komfortabel, außerdem kann es immer noch geklaut werden oder verloren gehen.

Ich halte sogenannte Passwortsafes für die beste Lösung: eine kleines Programm öffnet und verwaltet einen Passwortcontainer. In der Containerdatei sind Benutzernamen, Passwörter und weitere Informationen verschlüsselt gespeichert, und werden beim Öffnen der Datei mit einem Masterpasswort entschlüsselt.

KeePass

Da so ein Passwortsafe eine sicherheitskritische Anwendung ist, habe ich mich für KeePass entschieden, da  bei dieser Open-Source-Anwendung eventuelle Schwachstellen und Hintertüren von der Programmierergemeinschaft leicht entdeckt werden können. Auch ansonsten bin ich rundum zufrieden: KeePass speichert meine Passwörter, generiert neue per Zufall und kann sie bei Bedarf auch automatisch eintragen. Besonders erfreulich: Es gibt das Programm auch in der Portable-Apps-Verison, für Android und auch für Debian-Linux. Sollen die Passwörtercontainer auf Windows- und Linux-Rechner genutzt werden, sollte man (unter Windows) zur 2.x-Version greifen, damit die Container kompatibel sind.

Da die Datei mit dem Passwort-Container verschlüsselt ist, könnte man sie sogar über die einen Dienst wie Dropbox über seine gesammelten Endgeräte verteilen, und hätte sie in der Cloud gleichzeitig vor heimischem Datenverlust geschützt. „Gehimdienstsicher“ ist diese Methode aber wohl nicht unbedingt.