Ubuntu-Feldtest

Ich kam vor kurzem in die Verlegenheit, den Windows-Laptop einer Freundin platt zu machen und nebenbei die bereit liegende SSD ein zu bauen. SSDs sind ungleich schneller, mechanisch robuster, leiser und energiesparender als herkömmliche Festplatten, und daher fast uneingeschränkt zu empfehlen.

Eine einfache Systemwiederherstellung  auf Windows 7 mit den Original-DVDs des Herstellers fiel leider flach, weil die DVDs nicht zu finden waren. Die Freundin war mit Windows 7 recht zufrieden und kannte sich damit aus. Der Umstieg auf Windows 10 wurde nach einer kurzen Kostprobe angewiedert ausgeschlossen. Leider lässt sich Windows 7 nicht ohne weiteres herunterladen, wenn man nur über eine OEM-Lizenz verfügt.

Die Softwareanforderungen der Freundin waren nicht sehr speziell, neben dem Browser wurde MS Office und Skype genutzt, vor allem aber sollte das System robust, schnell und nicht anfällig gegen Viren sein.

Zuletzt genanntes brachte mich zu Ubuntu-Linux, dessen Benutzung man auch nicht-Geeks zumuten kann. Dank der großen Nutzerbasis findet man viel Hilfe im Internet, was gerade bei Linux-Einsteigern sinnvoll ist. Wie sich herausstellen sollte, kann man tatsächlich MS Office 2010 und Skype mit einigen Kniffen zum laufen bringen.

Ubuntu installieren

Die aktuelle Version von Ubuntu kann man hier als iso-Datei herunterladen (bei mir war es 14.04 LTS). Das brennen einer DVD ist unnötig, mit dem kleinen Programm Rufus (hier als Portable Version) kann man einen USB-Stick verwenden, um mit dem Ubuntu-iso zu booten (USB-Boot muss im Bios aktiviert sein). In meinem Falle funktionierte nach der Installation auf dem ThinkPad T420 sämtliche Hardware, selbst das zwei-Finger-Scrollen auf dem Touchpad.

MS Office installieren

In meinem Fall hatte ich die Original-DVDs von Office 2010 inklusive Lizenzschlüssel zur Verfügung. Modernere Versionen von Office werden wohl nicht unterstützt. Dieses Video erklärt das Vorgehen:

Was nach der Installation noch fehlt, ist die Dateiverknüpfung, so dass beim Doppelklick auf eine docx-Datei auch tatsächlich Word geöffnet wird, und nicht das vorinstallierte Libre-Office. Dafür klickt man mit rechts auf die entsprechende Datei, wählt Eigenschaften und dann den Reiter Öffnen mit… . Dort kann man Word als Standardprogramm festlegen (auswählen und Als Standard definieren). Genau so geht man für Excel- und PowerPoint-Dateien vor.

Skype installieren

Ich bin dieser Anleitung auf ubuntuhandbook.org gefolgt und war erfolgreich. Kamera und Mikrofon funktionierten auf Anhieb.

Netflix

Die letzte Anforderung war für den Freizeitgebrauch: der Film- und Serienstreamdienst Netflix funktioniert mit Microsofts Silverlight und damit nicht in der Linuxversion vom Firefox-Browser. Wie sich herausstellte, genügt es, bei der aktuellen Ubuntu-Version Googles Browser Chrome zu installieren, damit Netflix läuft.

Einschränkungen

  • Das Öffnen von Office-Dateien auf Netzwerklaufwerken muss vom jeweiligen Programm aus erfolgen. Das Öffnen mit einem Doppelklick im Datei-Explorer öffnet in diesem Fall nur ein leeres Dokument.
  • Das Batteriemagement von Ubuntu kann soweit ich weiß den Prozessor nicht heruntertakten, so das die Akkulaufzeit kürzer als unter Windows ausfallen dürfte.
  • Bei Zugriff auf einen Dateiserver (hier: Synology) wird der Server mehrfach identisch in der Netzwerkumgebung angezeigt. Wichtig ist, hier den Richtigen zu finden (SMB), da es sonst zu Problemen mit der Schreibberechtigung und der Übertragungsgeschwindigkeit kommt.

Fazit

Die Freundin zeigt sich bisher zufrieden mit Ubuntu, vor allem der Geschwindigkeit und Einfachheit wegen. Weiteres wird der Arbeitsalltag zeigen…